Mehr als kulturelles Wissen: Transkulturelle Kompetenzen im (Berufs-)alltag

Mehr als kulturelles Wissen: Transkulturelle Kompetenzen im (Berufs-)alltag

Der CAS Interkulturelle Kommunikation und transkulturelle Kompetenzen vermittelt weit mehr als theoretisches Wissen über kulturelle Unterschiede. Im Zentrum steht die Fähigkeit, Menschen in ihrer individuellen Lebensrealität wahrzunehmen, Kommunikationsprozesse differenziert zu verstehen und kulturelle Vielfalt professionell zu begleiten. Gerade in einer Gesellschaft, die zunehmend von Mobilität, Migration und globalen Arbeitskontexten geprägt ist, gewinnen transkulturelle Kompetenzen in unterschiedlichsten Berufsfeldern an Bedeutung.

Studien zeigen deutlich, dass inter- und transkulturelle Kompetenzen heute zu den zentralen Zukunftskompetenzen gehören. Forschende weisen darauf hin, dass kulturelle Diversität nicht allein durch Faktenwissen über "andere Kulturen" bewältigt werden kann. Entscheidend sind vielmehr Kommunikationsfähigkeit, Reflexionskompetenz, Empathie und die Fähigkeit, kulturelle Zuschreibungen kritisch zu hinterfragen (vgl. Bertelsmann Stiftung & Fondazione Cariplo, 2008).

Genau an diesem Punkt setzt unser CAS Interkulturelle Kommunikation und Transkulturelle Kompetenzen an: Er vermittelt keine starren Modelle über nationale Kulturen, sondern fördert ein dynamisches Verständnis von Kultur als etwas, das sich ständig verändert, situativ entsteht und individuell erlebt wird. Für viele Teilnehmende wird dadurch nicht nur die berufliche Praxis greifbarer, sondern auch die eigene Biografie neu verständlich.

Für Barbara Kohler begann die Auseinandersetzung mit interkultureller Kommunikation bereits lange vor dem CAS. "Mit 24 Jahren bin ich nach Spanien ausgewandert. Was zuerst nur eine Auszeit sein sollte, wurde zu 16 Jahren leben und lieben." Während dieser Zeit lernte sie eine Kommunikationskultur kennen, die sich stark von jener in der Schweiz unterschied, insbesondere im nonverbalen Bereich. Die Rückkehr in die Schweiz wurde deshalb zu einer unerwarteten Herausforderung: 

"Als ich mit 40 in die Schweiz zurückkam, verstand ich meine Umgebung nicht mehr – wir redeten verschiedene Sprachen, obwohl es ja eigentlich Schweizerdeutsch war."

Im CAS fand sie Erklärungsansätze für diese Erfahrungen. "Im CAS Interkulturelle Kommunikation und Transkulturelle Kompetenzen habe ich die Mechanismen verstehen gelernt, welche einem passieren, wenn man längere Zeit in einem anderen Land lebt und dann wieder zurückkommt ins eigene Land." Dieses Verständnis war für sie weit mehr als ein theoretischer Erkenntnisprozess. Es half ihr, die eigenen Emotionen besser einzuordnen und bewusster mit den inneren Spannungen zwischen verschiedenen kulturellen Prägungen umzugehen.

Auch in ihrer beruflichen Praxis konnte Barbara Kohler Gelerntes gezielt umsetzen. Im Kontakt mit Klient*innen erkannte sie zunehmend, wie stark Kommunikation von kulturellen Erfahrungen beeinflusst wird – oft gerade dort, wo wenig gesprochen wird. "Durch den CAS habe ich schneller verstanden, auf welche Gesten ich achten muss, um mit den Klient*innen zu kommunizieren, um zu verstehen, was sie eigentlich wirklich wünschen oder wollen – und was nicht." Gerade in Beratungssituationen seien es häufig kleine nonverbale Signale, die entscheidend seien: Blickkontakt, Distanzverhalten, Körpersprache oder die Art, Zustimmung oder Unsicherheit auszudrücken.

Interkulturelle Missverständnisse entstehen häufig dadurch, dass sprachliche oder nonverbale Signale unterschiedlich interpretiert werden. Solche Fehlinterpretationen beruhen oft auf fehlendem Wissen über andere kulturelle Kommunikationsweisen oder auf mangelnder Erfahrung im interkulturellen Austausch (vgl. Lüsebrink, 2012).

Barbara Kohler beschreibt genau diese Entwicklung: "Ohne Kenntnis von anderen Kulturen funktioniert das nicht – da redet man aneinander vorbei und es kommt zu Missverständnissen." Der CAS habe ihr geholfen, genauer hinzusehen und Kommunikation nicht vorschnell zu interpretieren. Besonders prägend seien dabei auch die Dozierenden gewesen: "Die Kursleitenden sind Profis auf ihrem Gebiet. Die Einsichten und Erfahrungen nimmt man auf den weiteren Weg mit."

"Die Möglichkeit zu lernen ist immer etwas Besonderes. Es gibt die "ich-habe-es-doch-gewusst!"-Momente, und es gibt die "Aha"-Momente. Man kann sich selbst ausprobieren und kennenlernen, neue Aspekte einer Sache entdecken/sehen, sich weiterentwickeln. Und es macht auch Spass, neue Leute kennenzulernen, die offenbar dasselbe lernen wollen wie du. Das verbindet."

- Barbara Kohler, Sachbearbeiterin Fachressort Integration bei Kanton Luzern, Absolventin CAS Interkulturelle Kommunikation und Transkulturelle Kompetenzen

Während Barbara Kohler den CAS vor allem aus persönlichen Erfahrungen heraus besuchte, stand bei Pascal Mösli die berufliche Weiterentwicklung im Vordergrund. In seiner Arbeit begegnete er kulturellen Fragen schon lange, suchte jedoch nach fundierten theoretischen Grundlagen und praxisnahen Methoden. "In meiner Arbeit war Kultur immer präsent, aber ich suchte nach fundierteren Konzepten, um kulturelle Phänomene und Prozesse besser zu verstehen."

Entscheidend für seine Wahl des IKF war dabei die spezifische Ausrichtung des CAS Interkulturelle Kommunikation und Transkulturelle Kompetenzen. Seine Entscheidung für das IKF fiel wegen der praxisnahen Ausrichtung und der transkulturellen Perspektive, die über klassische interkulturelle Ansätze hinausgeht.

Für Pascal Mösli veränderte dieser Perspektivenwechsel den beruflichen Alltag grundlegend. 

"Vor allem die transkulturelle Perspektive hat meinen Blick geschärft: Kultur nicht als starre Schablone zu sehen, sondern als etwas dynamisch Ausgehandeltes. Das verändert grundlegend, wie ich in Beratungssituationen und in der Lehre mit kulturellen Zuschreibungen umgehe."

Heute setzt er die Inhalte des CAS in verschiedenen beruflichen Kontexten konkret um: "Heute biete ich viele Fortbildungen zu interkulturellen und interreligiösen Themen an." Besonders hilfreich seien dabei die praxisorientierten Methoden gewesen: "Besonders häufig nutze ich die methodischen Anregungen für Gesprächsführung und Moderation in interkulturellen Settings."

Deutlich wurde dies für Pascal Mösli in einem aktuellen Projekt zu Schmerzerfahrungen. "Im aktuellen Projekt zu Schmerzerfahrungen arbeiten wir mit Personen aus verschiedenen Herkunftskontexten zusammen. Dank des CAS konnte ich von Anfang an vermeiden, kulturelle Muster zu essentialisieren." Statt kulturelle Unterschiede vorschnell zu verallgemeinern, entwickelte das Team bewusst offene Arbeitsformen: "Stattdessen haben wir Vorgehensweisen in den Workshops entwickelt, die Raum für individuelle und situationsgebundene Schmerzdeutungen lassen – das wäre mir vorher so nicht gelungen."

Genau hier liegt eine besondere Stärke des CAS Interkulturelle Kommunikation und Transkulturelle Kompetenzen am IKF: Die Teilnehmenden setzen sich nicht nur theoretisch mit transkulturellen Konzepten auseinander, sondern reflektieren kontinuierlich ihre eigene Praxis und ihre persönlichen Erfahrungen.

Gleichzeitig verändern Digitalisierung und globale Vernetzung die Anforderungen an transkulturelle Kommunikation zusätzlich. Internationale Teams arbeiten virtuell zusammen, Organisationen werden kulturell vielfältiger, und auch technologische Systeme müssen zunehmend kulturelle Unterschiede berücksichtigen. Umso wichtiger wird die Fähigkeit, Ambivalenzen auszuhalten und unterschiedliche Perspektiven miteinander in Beziehung zu setzen. Transkulturelle Kompetenz bedeutet deshalb nicht nur Anpassungsfähigkeit, sondern auch die Bereitschaft, die eigene Sichtweise immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Die Erfahrungen von Barbara Kohler und Pascal Mösli zeigen eindrücklich, wie unterschiedlich die Zugänge zu diesem Lernprozess sein können. Beide verbindet jedoch die Erkenntnis, dass transkulturelle Kommunikation weit über theoretisches Wissen hinausgeht. Sie verändert den Blick auf Menschen, auf Beziehungen und auf die eigene Rolle im beruflichen Alltag.

Der CAS Interkulturelle Kommunikation und Transkulturelle Kompetenzen vermittelt dafür konkrete Werkzeuge, wissenschaftliche Grundlagen und praxisorientierte Methoden. Vor allem aber eröffnet er Räume für Reflexion und Perspektivenwechsel – Kompetenzen, die in einer vielfältigen Gesellschaft immer wichtiger werden. Denn erfolgreiche Kommunikation entsteht nicht dort, wo Menschen glauben, bereits alles über ihnen fremde Kulturen zu wissen, sondern dort, wo sie bereit sind zuzuhören, Unsicherheiten auszuhalten und Begegnungen offen zu gestalten.

„Am wertvollsten waren für mich drei Dinge: Erstens das Dozierendenteam mit seinen Erfahrungen aus unterschiedlichen Regionen der Welt – das war lebendige Transkulturalität. Zweitens der kontinuierliche Dialog mit den anderen Kursteilnehmenden, der mir völlig neue Perspektiven eröffnet hat. Und drittens das Schreiben der Abschlussarbeit, weil mich dieser Transfer der Inhalte in meinen eigenen beruflichen Alltag gezwungen hat, wirklich konkret zu werden. Der CAS hat mir nicht nur Wissen gegeben, sondern eine Haltung und ein Netzwerk.“

- Pascal Mösli, Theologe und Supervisor MAS, Absolvent CAS Interkulturelle Kommunikation und Transkulturelle Kompetenzen 2025

Quellen:

Bertelsmann Stiftung / Fondazione Cariplo (2008): Interkulturelle Kompetenz – Die Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert?, Gütersloh/Mailand.

Lüsebrink, H. J. (2016). Interkulturelle Kommunikation: Interaktion, Fremdwahrnehmung, Kulturtransfer/Hans-Jürgen Lüsebrink. Weimar: Metzler. Verlag.–4., akt. u. erw. Aufl.